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Die 90-Aktien-Regel: Ein Blick auf Diversifikation

Wie viele Aktien braucht man wirklich, um ein Depot breit zu streuen? Die 90-Aktien-Regel liefert interessante Einsichten in die Diversifikation von Investitionen.

Von Felix Schneider11. August 20262 Min Lesezeit

MAINZ, 11. August 2026Eigener Bericht

Die Diversifikation ist seit jeher das Credo eines jeden Anlegers. Doch wann ist ein Aktienportfolio tatsächlich breit gestreut? Die sogenannte 90-Aktien-Regel gibt eine interessante Antwort: Ein Depot, das mindestens 90 verschiedene Aktien umfasst, gilt als hinreichend diversifiziert. Aber ist das wirklich so? Ein genauerer Blick auf die Regel könnte Aufschluss geben.

1. Ursprung der 90-Aktien-Regel

Die 90-Aktien-Regel hat ihren Ursprung in der modernen Portfoliotheorie, die in den 1950er Jahren von Harry Markowitz formuliert wurde. Markowitz stellte fest, dass durch das Halten einer Vielzahl von Anlagen das Risiko verringert werden kann. Der Fokus lag auf der Varianz der Renditen; je mehr unterschiedliche Aktien ein Anleger besitzt, desto geringer das Risiko. Die Zahl 90 wurde dann als magische Schwelle definiert, die ausreichend Diversifikation bieten solle. Ein wenig wie ein feuchter Schwamm, der bei genügend Wasser nicht mehr aufnimmt.

2. Die Illusion der Sicherheit

Klingt das nicht verlockend? Ein breites Portfolio, das vermeintlich sicher vor Marktschwankungen schützt. Doch die Realität ist oft komplexer. Zugegeben, 90 Aktien könnten dazu beitragen, spezifische Risiken zu minimieren, jedoch werden systematische Risiken – also solche, die den gesamten Markt betreffen – dadurch nicht im Geringsten beeinflusst. Ein sorgfältig zusammengestelltes Portfolio kann durch eine globale Krise wie eine Finanzkrise oder pandemiebedingte Marktverschiebungen dennoch erheblich leiden.

3. Branchenvielfalt: Ein Vergessenes Element

Eine häufige Annahme ist, dass Vielfalt in der Anzahl der Aktien auch Vielfalt in den Branchen bedeutet. In der Realität hält man jedoch oft Aktien aus wenigen großen Sektoren, was die Diversifikation in einem Portfolio gefährdet. Ein Portfolio, das sich auf 90 Tech-Aktien stützt, mag quantitativ diversifiziert erscheinen, doch in der Praxis bleibt es anfällig für die Launen der Technologiebranche.

4. Geografie spielt eine Rolle

Die 90-Aktien-Regel bezieht sich oft nur auf den heimischen Markt. In einer globalisierten Welt kann es jedoch sinnvoll sein, auch Aktien aus anderen Ländern in Betracht zu ziehen. Europäische, asiatische oder sogar lateinamerikanische Märkte bieten nicht nur Diversifikation, sondern auch Zugang zu Wachstumschancen, die lokal möglicherweise nicht existieren. Auch hier gilt: 90 Aktien sind nicht immer gleich 90 Chancen.

5. Die Bedeutung der Gewichtung

Eine weitere Lesart der Diversifikation ist die Gewichtung der Anlagen im Portfolio. Selbst bei 90 Aktien kann eine zu hohe Gewichtung einer bestimmten Aktie oder Branche das Risiko erhöhen. Beispielsweise könnte ein Anleger 60 % seines Portfolios in Blaue Chips investiert haben, während die restlichen 30 Aktien geringfügige Anteile stellen. In diesem Szenario ist die Diversifikation eher ein Feigenblatt als eine echte Risikominderung.

6. Psychologische Aspekte

Die Psychologie des Anlegens ist nicht zu vernachlässigen. Ein Portfolio von 90 Aktien kann Anlegern das Gefühl von Sicherheit vermitteln, selbst wenn die zugrunde liegenden Risiken nach wie vor bestehen. Viele Anleger werden von dem Gedanken, dass sie "alles" richtig gemacht haben, in eine trügerische Sicherheit wiegen. Der berühmte Satz "Je mehr desto besser" gilt nicht unbedingt für Aktien. Manchmal ist weniger durchaus mehr.

7. Fazit: Qualität vor Quantität

Letztlich ist es nicht nur die Anzahl der Aktien, die ein Portfolio diversifiziert, sondern auch die Qualität der einzelnen Investments. Anstatt blind den 90-Aktien-Regel zu folgen, sollten Anleger sich intensiv mit den Fundamentaldaten, den Branchen und der geographischen Verteilung ihrer Investments auseinandersetzen. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Depot ist also nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der gewählten Aktien.

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